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     Im August 2008 starb Werner Burkhardt, der "Nestor der deutschen Jazzkritik", der wie kein anderer sich auskannte in diesem Genre und Leser wie Radiohörer fesselte durch seine unaufdringliche Art, die ganz Großen der Jazzgeschichte liebevoll zu porträtieren, unglaublich kenntnisreich, aus persönlicher Anschauung, einfühlsam und oftmals ironisch gewürzt.

Andere mögen seine Verdienste um den Jazz detailliert würdigen, für uns Amateurmusiker war er einfach ein Freund und Vertrauter, der immer mal wieder in die Jazzclubs kam, mit uns sein Bier trank und bis in die Nacht hinein diskutierte. Und so brauchte er auch gar nicht erst überredet zu werden, den Text für unsere erste Schallplatte "ECHOES OF THE TWENTIES" zu schreiben, die 1965 bei POLYDOR erschien:

 

 Vielstimmig sind die musikalischen Echos, die aus den zwanziger Jahren in unsere Zeit herüberklingen. Die Jazzfreunde, die es sich ja so gern leichtmachen, glauben, sie wüssten über jenes "Golden Age" hinreichend Bescheid, wenn sie die klassischen Bands von King Oliver, Louis Armstrong und Jelly Roll Morton kennen, und vergessen all das, was vor jener Zeit und auch noch gleichzeitig in New Orleans und Chicago, in Kansas City und New York gespielt wurde.

Man muss schon einen Sinn fürs Malerische und liebenswürdig Skurrile besitzen, wenn man die buntscheckigen Klänge von damals auch heute noch ins Zentrum seines Repertoires rückt. Die Hamburger Canal Street Jazz Band besitzt ihn. Mit begeisterter Hingabe, ja mit Fanatismus, setzt sie sich für diese Musik der Frühe, für die Ragtime-Kapellen aus der Zeit um die Jahrhundertwende ein, und sie vermittelt nicht nur ihre Liebe zu soviel Kraft und Überschwang, sondern sie räumt auch gleichzeitig mit einigen Vorurteilen auf, die sich nun schon seit Jahrzehnten durch die Jazz-Geschichte schleppen und unausrottbar scheinen.

Immer wieder liest man, dass die Musikanten jener Zeitläufe im Notenlesen Analphabeten gewesen sind, dass sie immer nur genial drauflos improvisierten und dass sie innerlich Grauenhaftes durchmachten, wenn sie, um existieren zu können, einen Pakt mit der Schlagermusik abschließen mussten. All das stimmt nur teilweise. Das hören wir, allerdings unter starken akustischen Schwierigkeiten, wenn wir eine der seltenen Platten aus jener Zeit auflegen. Das vermittelt uns jetzt die Canal Street Jazz Band. Natürlich wurde improvisiert, aber der organische Zusammenklang der Band war in der Anfangszeit des Jazz wichtiger als die solistische Entfaltung der Persönlichkeit. Von Leuten, die Noten lesen und Kompositionen zu Papier bringen konnten, sprach man im Tone der absoluten Hochachtung. So berichtet Clarence Williams von A. J. Piron, der auch mit einem Stück auf unserer Platte vertreten ist: "Piron war damals so etwas wie der Paul Whiteman von New Orleans, denn er hatte eines der besten Orchester in der Stadt und spielte in den ersten Hotels. Piron war für mich wichtig, denn er konnte meine Kompositionen für mich zu Papier bringen."

Wie wenig heikel man war, wenn es galt, das Amüsierbedürfnis des Publikums zu befriedigen, geht aus folgendem Satz Duke Ellington's hervor: "Wilbur Sweatman trat jeden Abend auf, hatte seine drei Klarinetten im Mund und spielte auf allen dreien gleichzeitig." Eine Komposition dieses Mr. Sweatman, "Battle Ship Kate", gehört zu den Lieblingsstücken der Canal Street Jazz Band.

Wer am Freitagabend, vom Hamburger Hafen kommend, elbabwärts spaziert und sich der idyllischen alten Kapitänssiedlung Övelgönne nähert, hört plötzlich noch vor dem Unionkühlhaus lautes Geschmetter von Blasinstrumenten. Zuerst wird er es für ausgelassene Marschmusik halten, dann wird er die charakteristischen Elemente des Jazz, seine Intonations-Finessen und seinen schmiegsameren Rhythmus herausspüren und wird den Klängen nachgehen. Plötzlich wird er vor der "Seglerbörse" stehen, einem etwas verwunschen daliegenden Lokal, und wenn er Mut hat, wird er eintreten. Denn auf Lautstärke muss er sich gefasst machen, und ein Jazzfreund, der sich für so intellektuell hält, dass er schon wieder der Faszination des Mythischen und Urtümlichen erliegt, wird vor sich hinsinnen: Genauso wie diese Musik über den Hamburger Hafen muss einmal Buddy Boldens Trompete über die Sumpfniederungen des Mississippi bei New Orleans gedrungen sein. Im Vorderzimmer sitzen die Segler beieinander und klönen, und im hinteren Raum schart man sich um die Band.

Erster Kornettist, Leiter und Arrangeur der meisten Stücke ist Michael Wulff. Das zweite Kornett neben Michi spielt Job Schöningh. Schnell noch ein Wort zur Besetzung der Band. Es musizieren:

Klaus Nockemann (Klarinette) – Etlev Jacobsen (Bariton- und Altsaxophon) – Gregor Majer (Posaune) – Christiane Nockemann (Piano) – Rudi Rindermann (Banjo) – Udo Schümann (Sousaphon) – Peter Bohn (Schlagzeug)

  Da spielen sie nun ihre Musik aus jener Zeit, die uns heute so vorkommt, als ob es nur Hafenkneipen und Gangsterhöhlen, Beerdigungen und Karnevalsumzüge gegeben hat. Es ist sicher im Sinne der Künstler, wenn Einzelheiten hier nicht hervorgehoben werden. Solistisches ist, wie gesagt, nicht das Entscheidende, und die Namen der Komponisten, die Namen der Bands, die die Stücke aus der Taufe gehoben haben, verschwimmen im traulichen Dunkel der Legende. Doch keine Sorge: Was Michi und seine Mannen spielen, verschwimmt nicht. Es ist unüberhörbare Gegenwart.

 

Lieber Werner,

sollte dir das tägliche Halleluja der himmlischen Chöre langsam auf die Nerven gehen, lauf doch mal runter zum Hafen. Irgendwo dort muss es eine Dependance der "Seglerbörse" geben und ich bin sicher, da triffst du unseren Michi, der gerade zusammen mit Klaus, Gregor und einer schwarzen Marching Band "Nearer my God to thee" einübt, danach ist "Hors d'oeuvre" dran und alle die schönen alten Canal-Street-Stücke, die du so liebst. Dort kannst du dich entspannen und wohlig zurücklehnen, es ist "Our Bungalow of Dreams".

 

 

CANAL STREET JAZZ BAND  | canalstreet-jazzband@web.de
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